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1) Weltliche Ämter. Es gab zu Zeiten des Alten Bundes nicht so viele feststehende Ämter in Israel, als in den Staaten der Neuzeit. Viele Dienstleistungen, für welche es jetzt besondere Beamte gibt, lagen den durch Alter und Familienstellung dazu Berufenen ob; vergleiche den Artikel Älteste. Außerdem war durch diese Freiheit der Verhältnisse Raum gegeben, dass ein Mann mit besonderen Gaben auch ohne ein zum Voraus feststehendes Amt eine bedeutende Wirksamkeit entfalten konnte. Dies findet namentlich seine Anwendung auf die von Gott berufenen Werkzeuge, einen Mose, Josua und die Richter. Richter (im gewöhnlichen Sinn) und Amtleute, dazu Hauptleute für den Krieg (siehe diese Artikel), sind vor der Einrichtung des Königtums die einzigen Ämter, von denen wir wissen. Mit dem Königtum kam dann allmählich eine größere Zahl Hof- und Staatsbeamte auf, namentlich mit Salomos großartiger Hofhaltung; vergleiche die Artikel Kanzler, Schreiber, Hofmeister, Rentmeister, Amtmann, Landvogt, Rat, Oberste, Ritter, Feldhauptmann. Über die Ämter der Römerzeit vergleiche Landpfleger, Landvogt, Hauptmann, Zöllner. — Für die Anschauung der Bibel von den Pflichten eines Amtes ist es bezeichnend, dass der gewöhnliche Name dafür eigentlich „Dienst“ bedeutet; jedes Amt soll im Dienst des Ganzen stehen, aber zugleich vor Gott geführt werden, von dem allein die zu jedem Amt nötige Weisheit kommt (Spr. 8, 15f), und der einmal Rechenschaft fordert (Weish. 6, 2–5). Weiteres siehe Artikel Obrigkeit.
— 2) Geistliche Ämter. a) Im Alten Testament. Den wenigen Bestimmungen des Gesetzes über weltliche Ämter steht eine sehr feste Ordnung des geistlichen Amtes, des Priesteramts in seiner dreifachen Abstufung: Leviten, Priester, Hohepriester, gegenüber (vergleiche diese Artikel), wogegen das Prophetenamt ein durchaus freies, nur auf göttlicher Berufung und Begabung ruhendes Amt war. b) Im Neuen Testament eignete diese Freiheit des Amtes im höchsten Maße dem Herrn selbst; ein Amt im gewöhnlichen Sinn hat er ja nicht bekleidet; seine Befugnis zu lehren leitete er nur von oben ab als letzter und höchster Prophet. Und sofern die Juden sich den Messias als in einem Amt, namentlich im Königsamt stehend dachten, entsprach Jesus ihren Erwartungen nicht; er war König und Hohepriester nur nach der inneren Begabung und geistigen Wirksamkeit, nicht nach der äußeren Erscheinung.
Ähnlich wurden auch die Apostel in kein äußerliches Amt vom Herrn eingesetzt; erst nach Pfingsten gaben sich die Zwölf selbst zeitweise eine äußerlich amtliche Stellung in der Gemeinde zu Jerusalem (Apg. 6, 4), während Paulus in seinem Apostelamt sich nur Christus verantwortlich wusste. Die Entstehung der christlichen Gemeindeämter führt nicht auf den Herrn unmittelbar zurück; die Sorge dafür wurde von ihm der Gemeinde selbst überlassen. Je nach Bedürfnis wurden für die stetige Ausübung bestimmter Tätigkeiten bestimmte Männer bevollmächtigt und verantwortlich gemacht (vergleiche die Artikel Älteste, Bischöfe, Diakonen). Allgemeiner Grundsatz war dabei, dass die Übertragung respektive Übernahme eines Amtes die Gabe zu demselben voraussetzt (1Kor. 12). Eben darin lag dann auch die Verpflichtung, die vom Herrn verliehene Gabe im Kreis des Amtes treulich auszunutzen zum Besten der Gemeinde (Röm. 12, 7). Aber auch die Gewissheit lag darin, das Amt doch vom Herrn, nicht nur von Menschen, empfangen zu haben.
Th. Hermann.
Abb. 30. Ägyptischer Aufseher (Schreiber). Nach Wilkinson.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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