Get the #1 Bible app for transformative study, preaching, and teaching.
Sign in or register for a free account to set your preferred Bible and rate books.
Sabbatjahr. Die gesetzlichen Anordnungen darüber siehe 2Mos. 23, 10f; 3Mos. 25, 1–7; 5Mos. 15, 1–11; 5Mos. 31, 10–13. Wie dem Menschen vorgeschrieben war, nach 6 Arbeitstagen Gott einen Ruhetag zu heiligen, so sollte auch das Land nach 6 Jahren der Bebauung ein Jahr der Feier zu Ehren des Herrn haben (3Mos. 25, 2. 3Mos. 25, 4. 3Mos. 25, 6), wo das Feld weder bestellt noch die von selbst wachsenden Früchte eingeerntet wurden. Diese sollten im Sabbatjahr den Armen und den Tieren des Gefildes anheimgegeben werden.
Dass auch ohne Aussaat der Ertrag kein unbedeutender war, ist bei der Fruchtbarkeit des palästinensischen Bodens anzunehmen. Auch mit der Wein- und Olivenlese war es so zu halten (2Mos. 23, 11). Desgleichen sollte dieses 7. Jahr ein Erlassjahr sein, in welchem man dem israelitischen Schuldner seine Schulden zu erlassen hatte, 5Mos. 15, 1ff; 5Mos. 31, 10ff. Nach der Ansicht mancher würde der hier gebrauchte Ausdruck nicht völligen Erlass, sondern nur Stundung, Suspension der Schulden bis nach Ablauf des Jahres bedeuten, welches Moratorium sich bei der Einstellung der Feldarbeit leicht verstünde. Allein die jüdische Überlieferung hat wirklichen Erlass darunter verstanden, was auch durch 5Mos. 15, 9f begünstigt wird.
Die Bedeutung dieser Einrichtung ist der des Sabbatgebots entsprechend zu erklären. Es handelt sich nicht um eine bloß landökonomische Einrichtung zur Erhöhung der Fruchtbarkeit, sondern in erster Linie um tatsächliche Anerkennung, dass Gott der wahre Eigentümer des Ackers sei. Diese wird dadurch ausgesprochen, dass der menschliche Besitzer im 7. Jahre zu Ehren des himmlischen Eigentümers und zugunsten derer, für welche Gott allein sorgt, auf den Ertrag verzichtet und dem Boden Ruhe gönnt wie am 7. Wochentage Menschen und Tieren. Der eigennützigen Ausbeutung ist auch hier ein Damm entgegengesetzt. Ebenso sollte das drückende Verhältnis des Schuldners im 7. Jahr ein Ende nehmen wie das des Sklaven (5Mos. 15, 12), nur mit dem Unterschied, dass dieser im 7. Jahr seiner Dienstbarkeit frei werden sollte, während für die Schuldner das Erlassjahr ein allgemeines war.
Das Unterlassen der Feldarbeit und der Erlass der Schulden sollte aber dem Volke Gottes eine Sabbatruhe im großen Stil bringen, welche zurückwies auf den paradiesischen Anfang, wo der Mensch, ohne im Schweiße seines Angesichts zu arbeiten, von Gottes Segen lebte, und hinaus auf das Ziel der Wege Gottes, wo der Bann, der durch die Schuld der Sünde auf dem menschlichen Leben und Arbeiten lastet, wieder weggenommen werden soll. In dieser ihrer Größe setzt die Idee des Sabbatjahres freilich ein Gott vertrauendes und seine Freiheit nicht missbrauchendes Volk voraus. Da Israel in seiner Mehrzahl diese Eigenschaften selten besaß, lässt sich denken, dass diese Bestimmungen nie auf die Dauer sich vollständig durchführen ließen.
In der Tat setzt 2Chr. 36, 21, wo die 70 Jahre des Exils als Ersatz für 70 nicht eingehaltene Sabbatjahre erscheinen, eine mehrhundertjährige Unterlassung dieses Gebrauchs voraus (vergleiche 3Mos. 26, 34f), ohne dass die 490 Jahre genau zu nehmen wären. Zu der Aufforderung Jer. 34, 8f gab vielleicht ein Sabbatjahr Anlass. Nach dem Exil verpflichtete sich der Überrest des Volkes zu regelmäßiger Einhaltung des Sabbatjahres, Neh. 10, 32, das von da an genauer scheint eingehalten worden zu sein, 1Makk. 6, 49. 1Makk. 6, 53. Vergleiche die Artikel Sabbat und Halljahr.
v. Orelli.
|
About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
| Support Info | depdbiblen |
Loading…