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Pfingsten (aus dem griechischen *pentekoste*, das heißt der 50., nämlich Tag) ist der Name des zweiten großen Wallfahrtsfestes im alten Israel (siehe Artikel Feste). Dieser Festtag fiel nämlich auf den 50. nach dem Osterfest, 7 volle Wochen nach demselben; und zwar zählte man von jenem Tage ab, wo die Erstlingsgarbe dargebracht wurde, 3Mos. 23, 15f. Wie im Artikel Passah bemerkt wurde, war dieser Tag nach 3Mos. 23, 11 ein auf den Sabbat folgender, das heißt ein Sonntag; so fiel auch Pfingsten dann stets auf einen solchen; aber zur Zeit Jesu verstand man jene Stelle anders und rechnete die 7 Wochen unveränderlich vom 16. Nisan an, sodass Pfingsten stets auf den 6. Sivan fiel (unbekümmert um den Wochentag). Weil es den Abschluss der 7 Wochen bildet, heißt es übrigens gewöhnlich „Fest der Wochen“ (5Mos. 16, 10), und weil es die mit dem Passah begonnene Ernte abschließt, „Fest der Ernte“ (2Mos. 23, 16, vergleiche 2Mos. 34, 22). Dankfest für den verliehenen Erntesegen sollte es sein und hatte deshalb fröhlichen Charakter.
Namentlich sollte man an diesem Tage mit freiwilligen Gaben vor Gottes Angesicht erscheinen, je nach Vermögen und dem Ausfall der Ernte, und bei den am Heiligtum zu veranstaltenden Opfermahlzeiten, wo man sich mit seinem ganzen Hause vor dem Herrn freute, auch der Armen, Leviten und Fremdlinge nicht vergessen, 5Mos. 16, 10f. Die für Pfingsten vorgeschriebenen Gemeindeopfer stehen in 3Mos. 23, 15–21; 4Mos. 28, 26–31.
Besonders gehörte zu dieser Feier die Darbringung der beiden Pfingstbrote, die aus 2/10 Epha feinsten Weizenmehls gebacken und gesäuert wurden. 3Mos. 23, 17: „aus euren Wohnsitzen“ (Luther ungenau: aus allen euren Wohnungen) ist nicht so zu verstehen, als ob aus jedem Hause zwei Brote wären darzubringen gewesen, sondern symbolischer Weise wurden für die ganze Gemeinde zwei solche Brote dargebracht, und zwar musste das Korn in den israelitischen Wohnsitzen, nicht etwa auf fremdem Boden, gewachsen sein.
Da ⅒ Epha einem „Scheffel“ (siehe Maß S. 467b) entspricht und dieser etwa die Körner einer Garbe fasste, so war die Quantität doppelt so groß als am Passahfest, wie es einem abschließenden Dankfeste entspricht. Auch die Qualität bekundete den Fortschritt: statt der Gerste erscheint der zuletzt reifende Weizen, statt einer bloßen Garbe ausgebackenes Brot, wie es menschliche Arbeit, die gleichwie die Naturgaben Gott zu weihen ist, ausgestaltet.
Die für das Pfingstfest sonst vorgeschriebenen Gemeindeopfer sind in 3Mos. 23, 18ff. zu finden. Wahrscheinlich sind die 4Mos. 28, 27ff aufgezählten die gleichen. Doch haben die späteren Juden, welche überhaupt den Aufwand der Feste erhöhten, beide Leistungen zusammengezählt. Ebenso haben sie zu dem Einen Festtag, welchen das Gesetz verlangt und der durch Sabbatruhe und Versammlung der Gemeinde ausgezeichnet war, einen Nachfeiertag hinzugefügt.
Erst in spät nachbiblischer Zeit wurde dem Pfingstfest noch eine andere als die angegebene landwirtschaftliche Bedeutung beigelegt: man feierte es als Gedächtnisfest für die Gesetzgebung am Sinai, anknüpfend an die unbestimmte Angabe 2Mos. 19, 1, dass Israel im dritten Monat zum Sinai gekommen sei. Das Fest heißt darum in jener späten Zeit „Tag der Übergabe des Gesetzes“.
Diese historische Seite trat, obwohl biblisch gar nicht begründet, umso mehr in den Vordergrund, da die Juden durch ihre Zerstreuung von allem Landbau abgeschnitten wurden. Seine wahre Vollendung jedoch hat das israelitische Wochenfest im christlichen Pfingstfeste gefunden.
Nicht zufällig hat die Erstlingsgemeinde Jesu Christi gerade am Pfingsttage den heiligen Geist empfangen, Apg. 2, 1. Diese Verleihung des göttlichen Geistes bildete den Abschluss des durch Christus vollbrachten Versöhnungswerkes wie das alte Wochenfest des Passahzyklus. Auch wurden an diesem Tage der vollendenden Weihe die Erstlinge aus den Völkern dem Herrn dargebracht.
v. Orelli.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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