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Hölle.
1) Weitaus in der Mehrzahl der biblischen Stellen bedeutet Hölle nicht den Ort der Verdammnis, sondern das nach alttestamentlicher Vorstellung alle Verstorbenen umfassende Totenreich, hebräisch Scheol, griechisch Hades. Man dachte sich dieses Totenreich als einen düsteren Ort (Hiob 10, 21 Land der Finsternis und des Dunkels) in der Tiefe (Jes. 14, 15, vergleiche 4Mos. 16, 30; Matth. 12, 40 „mitten in der Erde“). Dort sammeln sich alle Toten ohne Unterschied (Hiob 3, 19). Alles irdische Treiben hat dort ein Ende; kraftlos ruhen die Abgeschiedenen und vermögen einander nichts mehr anzuhaben (Hiob 3, 17. Hiob 3, 18, vergleiche Psa. 9, 5. Psa. 9, 6. Psa. 9, 10). Es ist das Land der Stille (Psa. 94, 17; Psa. 115, 17) und des Vergessens (Psa. 88, 13 „ein Land, da man nichts gedenkt“).
Nur als dichterische Schilderung ist es zu nehmen, wenn Jes. 14, 9ff dem verstorbenen König von Babel die anderen Toten entgegeneilen und ihn mit schadenfrohem Spott begrüßen. Aber wie nach dieser Stelle in der Hölle der menschliche Hochmut gründlich gebrochen und ihm jede Grundlage entzogen ist, so ist auch für ein Glaubensleben und für eine fröhliche Gemeinschaft mit Gott kein Boden und keine Kraft mehr da, Psa. 6, 6; Psa. 88, 11; Psa. 115, 17; Jes. 38, 18. Aus der Hölle kommt keiner wieder, Hiob 7, 9. Daher bildlich Hohel. 8, 6; Eifer ist fest wie die Hölle, das heißt so wenig die Hölle einen wieder hergibt, so wenig lässt die Liebe von dem Geliebten. Es lässt sich nicht leugnen, dass diese Scheolsvorstellung manchmal schwer auf den Gemütern der alttestamentlichen Frommen lastete (vergleiche Auferstehung 1) und darum auch von ihnen das Wort gilt: Christus erlöste die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mussten (Hebr. 2, 15).
Allerdings hat der Auferstehungsglaube schon vor Christi Erscheinung ein Licht in dieses Dunkel fallen lassen, indem er wenigstens ein Ende des Scheolszustandes erwarten ließ. Der dazu kommende Glaube an eine Vergeltung im Jenseits gab dem Los der Frommen schon im Scheol eine freundlichere Gestalt; während allerdings für die Gottlosen aus dem Scheol ein Ort der Qual wurde. Dem entsprechend dachten sich die Juden zur Zeit Jesu den Scheol in zwei Abteilungen geteilt und beide durch eine Kluft voneinander geschieden, aber beide doch noch nicht als Ort der endgültigen Seligkeit oder Verdammnis.
Nun hat zwar auch Christus im Gleichnis vom reichen Mann vom armen Lazarus sich der Form nach ganz an diese jüdischen Vorstellungen seiner Zeit angeschlossen (Abrahams Schoß — siehe S. 9a, Ort der Qual — Kluft zwischen beiden), hat auch zu dem Schächer gesprochen: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ — so nannten die Juden den Aufenthalt der Frommen im Scheol —; aber die evangelische Kirche hat von jeher daran festgehalten, dass Christus damit nicht die jüdische Scheolslehre bestätigen, sondern dass er nur die Vergeltung im Jenseits anschaulich machen wollte. Überall richtet das Neue Testament die Blicke der Christen auf die endgültige Entscheidung, nicht auf einen Zwischenzustand, dessen Betonung gar zu leicht die Hoffnungszuversicht lähmen oder den Ewigkeitsernst abschwächen kann. So wenn Jesus mit seinen Jüngern vom Wiedersehen redet „in seines Vaters Haus“ (Joh. 14, 2); wenn Paulus sich sehnt „bei Christo zu sein“ (Phil. 1, 23, vergleiche 2Kor. 5, 1), umgekehrt wenn Jesus von der „äußersten Finsternis“ redet, wo Heulen und Zähneklappen sein wird (Matth. 8, 12 usw.), oder von dem Kerker, aus dem man nicht herauskommt, ehe der letzte Heller bezahlt ist (Matth. 5, 25f).
Und wenn nach Apg. 2, 27. Apg. 2, 31 Jesu Seele selbst zwischen Tod und Auferstehung im Hades war, so ist in 1Petr. 3, 19, der einzigen Stelle, wo etwas Bestimmtes über diese Zwischenzeit ausgesprochen ist, angedeutet, dass Christus durch einen besonderen Beruf dorthin geführt wurde, nämlich durch den Beruf, den Toten, die ihn bei Lebzeiten nicht hatten hören können, das Evangelium zu predigen. Somit ist in diesem Punkt die Ähnlichkeit zwischen Christus und uns nicht maßgebend und nötigt nicht zu der Annahme, dass auch wir einen Zwischenzustand im Hades durchmachen müssen, noch weniger aber, wenn man einen Zwischenzustand annehmen will, ihn wie den alttestamentlichen Scheol zu denken. Auch über die Hoffnungen, die wir auf Grund dieser „Höllenfahrt“ Christi für die Belehrung der als Heiden abgeschiedenen Seelen haben dürfen, gibt doch das Neue Testament keinerlei weitere Ausführung. vergleiche Kirchenlex. I, 780 f.
— In den Stellen 1Kor. 15, 55; Offb. 6, 8; Offb. 20, 14 werden Tod und Hades wie zwei persönliche, aber eng zusammengehörende Wesen genannt; eine sinnbildliche Darstellung, die nicht im Einzelnen ausgedeutet sein will, sondern eben die Todesmacht veranschaulicht. Die Pforten der Hölle sind die Tore des Totenreichs, die sich hinter jedem, der dort eingeht, schließen und keinen mehr herauslassen (vergleiche Jes. 38, 10). Wenn daher Jesus von seiner Gemeinde sagt: Die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen (Matth. 16, 18), so ist das so viel als: sie soll nie der Gewalt der Totenwelt, nie dem Untergang anheimfallen.
— 2) Die Hölle als Ort der Verdammnis. Sie führt griechisch den Namen Geenna. Derselbe kommt her von Ge-Hinnom, oder Tal Benhinnom (s. Hinnom). Josia verunreinigte den Platz (2Kön. 23, 10), und daher wurde er Bild der unreinen Stätte der Verdammten.
Nach Nachrichten späterer Rabbinen wurde der Platz auch zum Verbrennen von Aas und anderen schmutzigen Dingen verwendet, so dass auch die Feuerflammen den Vergleichungspunkt des Tales und der Hölle abgeben würden. An einen solchen Ort der Qual mit diesem Namen und unterschieden von der Strafabteilung des Hades, glaubten bereits viele Juden zur Zeit Jesu. Und diesen Glauben hat Jesus durchaus bestätigt. Jesus redet von einem ewigen Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln und welchem die Verdammten nach dem Gericht ebenfalls anheimfallen (Matth. 25, 41, vergleiche Matth. 5, 29. Matth. 5, 30; Matth. 18, 8. Matth. 18, 9); ein Ausdruck, der an anderen Stellen wechselt mit dem schon oben angeführten: „die äußerste Finsternis“. Der erstere mahnt an die Qualen, der letztere an die Schrecken der Verdammnis. Noch mit anderem Gleichnis (aus Jes. 66, 24 genommen) redet Jesus von einem nagenden Wurm, der nicht stirbt. Mit diesen Worten Jesu stimmt ganz überein die Schilderung der Offenbarung von dem feurigen Pfuhl, in den einmal der Teufel und alle Verführer und Verführten geworfen werden (Matth. 19, 20; Matth. 20, 10. Matth. 20, 14. Matth. 20, 15).
Th. Hermann.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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